TV/DJK Hammelburg Volleyball

In der 2. Bundesliga fordert die TV/DJK-Herren die Jungnationalspieler aus Friedrichshafen zum Kräftemessen (Sonntag, 12.30 Uhr). Anschließend bitten die Frauen zur Revanche gegen den TV Altdorf (16 Uhr).

Sie dürfen wieder strömen, die Zuschauer-Massen in die Saaletalhalle. Hammelburgs Volleyball-Elite setzt nämlich ihr Zweitliga-Abenteuer fort. Eine Herausforderung, die die Saalestädter bislang aber meistern, als gehörten sie zu den Etablierten dieser Liga. Einen wahrhaftigen Höhenflug haben die TV/DJK-Recken als Aufsteiger da hingelegt mit Tabellenplatz drei. Mit unglaublichen 27 Punkten aus zwölf Spielen. Die Konkurenz hat Respekt vor den Karlovic-Kempen - und das soll auch am Sonntag so bleiben beim Gastspiel der "Youngstars" aus Friedrichshafen. Mit Moritz Rauber und Julian Zenger haben die Jungs vom Bodensee zwei aktuelle Junioren-Nationalspieler in ihren Reihen, mit denen Hammelburgs Oscar Benner in der Nationalmannschaft gespielt hat. Es kommt also zu einem echten "Klassentreffen". Während Zenger und Rauber während der vergangenen Wochen bei einem Lehrgang der Nationalmannschaft waren, weilten fünf andere Spieler der Youngstars mit der Baden-Württemberg-Auswahl bei einem internationalen Turnier in Italien. Durch diverse Kadermaßnahmen fehlt dem Jungteam die optimale Vorbereitung auf ihren Doppelspieltag mit dem Heimspiel heute gegen Mainz-Gonsenheim.

Das Hinspiel als Warnung

"Ich sehen das aber eher als Vorteil der Friedrichshafener, denn trainierter und eingespielter kann man eigentlich nicht in die Rückrunde starten", erwartet TV/DJK-Kapitän Felix Bendikowski eine schwere Aufgabe. Und: "Das Team hat in der Liga nie richtig verloren", weiß Co-Trainer Frank Jansen über eine Truppe, die bisher immer mindestens einen Satz geholt hat. Im Hinspiel hatte Hammelburg so seine Problemchen, "als wir am Ende nur von unserer Erfahrung profitiert haben", so Bendikowski zum umkämpften 3:1-Erfolg. Neben knappen Niederlagen konnten die "Häfler" auch beachtliche Siege unter anderem gegen Delitzsch, Schwaig und Mainz sowie Stuttgart einfahren. Allerdings spielt das Team "außer Konkurrenz", kann weder auf- noch absteigen. VfB-Trainer Adrian Pfleghar, der gleichzeitig Team-Manager der Herren-Nationalmannschaft ist, die derzeit in Berlin um das Ticket für die Olympischen Spiele kämpft, wird beim Spiel durch seinen Co-Trainer vertreten. Eine Talent-Schau also, zu der die Hammelburger selbstredend ihren Beitrag leisten wollen. In Person von Lorenz Karlitzek zum Beispiel. "Mein großes Ziel ist es, irgendwann mal mit meinem Bruder Moritz in einer Mannschaft zu spielen", sagt der 16-Jährige, der dafür viel Freizeit opfert. "In den Weihnachtsferien waren Lorenz und Moritz jeden Tag drei Stunden in der Halle und haben trainiert", berichtet Vater Hartmut Karlitzek vom Trainingseifer seiner Söhne. Während Moritz, derzeit beim Erstligisten TV Rottenburg unter Vertrag, als bisher größter Hammelburger Exportschlager gilt, steht sein kleinerer Bruder ihm in nichts nach. Dabei überragt der "Kleine" den Älteren mit 1,95 Metern sogar um vier Zentimeter.Ob Unterfranken-Auswahl, Bayernauswahl oder B/C-Kader der Jugendnationalmannschaft. Immer, wenn es was zu selektieren gab, war Lorenz dabei, der aktuell im U-18-Nationalkader steht. Mit der von Matus Kalny trainierten DVV-Auswahl nahm Lorenz kurz vor den Weihnachtsferien an einem Turnier in der Slowakei teil, bei dem man sich erfolgreich gegen Nationen wie die Gastgeber und Österreich durchsetzen konnte - mit Lorenz Karlitzek als einem der durchschlagskräftigsten Spieler. Mittelfristiges Ziel ist das 8-Nationen-Turnier im Sommer, welches als wichtiger Gradmesser für die 2017 stattfindende Europameisterschaft gilt, bei der Lorenz natürlich für Deutschland antreten will.

Für Spielpraxis wird gesorgt

Neben seiner Nationalmannschaftkarriere und seinem Heimatverein, spielt der nimmersatte und mit Doppelspielrecht ausgestattete Außenangreifer auch noch beim VCO Kempfenhausen, einem Stützpunktverein des Volleyballverbandes, wo junge Nachwuchstalente außer Konkurrenz in der Dritten Liga spielen, um die nötige Spielpraxis zu sammeln. Auch mit dem VCO bestritt Lorenz Karlitzek bereits sechs Ligaspiele und ist hier einer der besten Punktesammler.
Im Jugendbereich spielt Lorenz in der U-18-Mannschaft des TSV Unterhaching, mit denen er heuer viel vor hat: "Ziel ist die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft", berichtet Vater Hartmut, der auf Grund des großen Aktionsradius seines Sohnes die aktuell niedrigen Ölpreise zu schätzen weiß, gilt es doch, seinen Sohn zu vielen Spielen und Trainingseinheiten zu fahren.

Sitzfleisch ist gefragt

Ihren Beitrag zum Volleyball-Festtag in der Saaletalhalle wollen die Frauen des TV/DJK Hammelburg (7./8) leisten. Und hoffen natürlich, dass möglichst alle Fans sitzen bleiben, die zuvor in den Genuss des Herrenspiels kommen. TV/DJK-Trainer Lutz Zinngraf erwartet jedenfalls ein Duell auf Augenhöhe mit dem TV Altdorf (2./18). "Beim Gegner gilt es vor allem die zwar nicht großgewachsene, aber unglaublich effektive Spielführerin über Außen in den Griff zu bekommen", weiß der Coach, der mit einer Ausnahme alle Spielerinnen an Bord haben wird. Carina Keilholz wird die beruflich verhinderte Christin Heim auf der Mittelblockposition ersetzen. Dass die Form im neuen Jahr stimmt, bewiesen Hammelburgs First Ladies mit dem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Eibelstadt.

Auf das Hausrecht wird gepocht

"Nach der Tiebreak-Niederlage im Hinspiel wollen wir diesmal gewinnen. Wir spielen schließlich in unserer Halle", gibt sich Maxi Bindrum forsch und selbstbewusst. Der TV/DJK-Libera wurde der Volleyballsport quasi in die Wiege gelegt. "Ich bin schon im Verein, seit ich denken kann. Und finde es immer wieder erstaunlich, dass so ein kleiner und persönlicher Verein auf derartig hohem Niveau spielen kann." Dass ihr Heimatverein als Drittletzter der Tabelle gegen den Abstieg spielt, macht Maxi Bindrum keine Sorgen. "Wir schaffen das. Deutlich verloren haben wir doch nur gegen Lohhof. Selbst bei den 1:3-Niederlagen waren wir nie chancenlos. Vielleicht fehlt uns noch die letzte Entschlossenheit oder das kleine bisschen Glück." Ihren Sport sieht die 20-Jährige nicht als Konkurrenz zum Studium. "Den Sport brauche ich einfach zum Ausgleich. Stressiger wird es vielleicht mal in der Prüfungszeit, ansonsten ist das kein Problem."

Belebende Konkurrenz

Neben den Spielen hat das TV/DJK-Eigengewächs stets auch eine interne Herausforderung zu meistern - aus der Position heraus, weil es eben nur eine Libera gibt. Denise Roy heißt die Konkurrentin im eigenen Lager, die eigentlich keine ist. "Denise hat unglaubliche Erfahrung. Die strahlt so viel Souveränität auf dem Feld aus, da kann ich noch einiges lernen. Anweisungen zu geben, fällt mir noch schwer, aber meine Stärke liegt darin, dass ich mich immer verbessern und dazu lernen will."

Ein Lob an den Verein

Denise Roy steht seit 2009 für den TV/DJK auf dem Volleyballfeld. "Den Verein zeichnet Professionalität und Sympathie aus. Volleyball auf hohem Niveau gepaart mit Menschlichkeit", lobt die 33-Jährige, die es aus beruflichen Gründen nach Bad Kissingen verschlagen hatte. "Dass ich dann in Hammelburg gelandet bin - ich würde es Schicksal nennen." Ihre Position im Spiel nennt Denise Roy sehr speziell, weil man als Libera selbst keine Punkte beisteuern kann. "Man wird nicht an den erzielten Punkten gemessen, sondern an der Anzahl der Fehler. Das ist schon etwas Besonderes." Vor dem Spiel schwört die Thüringerin, die Beruf und Sport trotz diverser Wochenend-Dienste ebenfalls problemlos unter einen Hut bekommt, auf "Kaffee und natürlich Redbull". Bayernliga- und Regionalliga-Erfahrung bringt Denise Roy ins Spiel, Maxi Bindrum jugendliche Unbekümmertheit. Eine gute Mischung - und für den Trainer ein doppelter Glücksfall.